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#Seaswien mit: Hank Genotte

Hank Genotte, 32

Gründer der Lieferei

Einen kurzen Ausflug in das Leben eines Investmentbankers hat er gebraucht, um sich sicher zu sein: er wollte reisen. Und das tat er – von Kontinent zu Kontinent, an die entlegensten Orte der Welt.

Sein erster Trip nach Wien aber war von Dauer. Hank verließ sich auf sein Bauchgefühl, als er die Entscheidung traf, sich niederzulassen ohne zuvor jemals in Wien gewesen zu sein. Mittlerweile lebt er seit sechs Jahren hier, betreibt die erfolgreiche Lieferei und bloggt über Mode und Lifestyle.

Hallo Hank, erzähl uns von deiner Zeit vor Wien …

Ich bin in der Nähe von Köln groß geworden – sehr idyllisch, direkt neben einem Maisfeld und alles andere als urban. Nach dem Abitur wurde ich im Zuge einer Ausbildung in Anlageberatung unter 50 Teilnehmern als einer von zweien ausgewählt, die einen Quickstart als Investmentbanker hinlegen sollten. Nach einem halben Jahr habe ich gemerkt, dass das nichts für mich ist und bin für zwei Jahre ins Ausland gegangen. Danach wusste ich nur, dass ich nicht wieder zurück aufs Land in unser 2000-Seelen Dorf will. Und so bin ich in Wien gelandet.

Warum ist es gerade Wien geworden?

Der Umzug nach Wien war eine reine Bauchentscheidung. Ich hatte ein gutes Gefühl, ohne jemals hier gewesen zu sein. Während meines Studiums bin ich immer wieder für mehrere Monate verreist und nebenbei hatte ich einen kleinen Vintage-Shop für Frauen, für den ich mir Kleidung aus umliegenden Ländern importieren hab’ lassen. Nach dem Studium habe ich zusammen mit meinen zwei Partnern die Lieferei gegründet.

Was ist das Geschäftsmodell hinter der Lieferei?

Wir bringen Getränke und Superfoods aus dem Ausland nach Österreich und ermöglichen „kleinen“ Marken Vertrieb und Logistik für ihre Produkte. Nach der Gründung sind wir relativ schnell auf 15 Mitarbeiter gewachsen und kooperieren heute mit großen Supermarktketten wie Spar oder Rewe.

Und woher die Idee?

Einer meiner beiden Partner ist der Gründer von Nixe-Bier. Er kannte also die Probleme junger Getränkemarken, für die es sehr schwierig ist, Kunden zu erreichen. Mein anderer Partner hat die logistische Expertise mitgebracht und Möglichkeiten, die nicht viele in Österreich haben. Auf der einen Seite hatten wir also das Produkt und den Bedarf nach einer Lösung und auf der anderen Seite war die Lösung – nicht nur für uns selbst, sondern eben auch für etliche andere Getränkehersteller.

Und wie waren deine ersten Jahre der Selbstständigkeit?

Sehr intensiv. Im ersten Jahr habe ich sogar im Büro geschlafen und rund um die Uhr gearbeitet. Ich habe mich selbst irgendwann bremsen müssen, um mein Privatleben nicht zu vernachlässigen. Trotzdem hat es sich nie wirklich nach Arbeit angefühlt – es ist eine Sache, die ich mir selbst ausgesucht habe und die mir sehr am Herzen liegt.

So wie das Bloggen, dein zweites Standbein?

Ja, das mit dem Blog ist aber eher beiläufig entstanden – ich habe immer mal wieder gemodelt und die Bilder dann auf Instagram gepostet. Und weil das Feedback so positiv war, habe ich den Blog gestartet. Die Lieferei hat immer oberste Priorität und ist völlig unabhängig vom Blog – ich versuche beides sehr bewusst voneinander zu trennen. Aber in meinem Arbeitsleben spielt das Bloggen eine sehr große Rolle.

Und wie hältst du heute die Balance zwischen Arbeit und Privatleben?

Im zweiten Jahr ist es sehr viel besser geworden, ich verbringe aber nach wie vor sehr viel Zeit am Laptop und am Smartphone. Bevor ich außer Haus gehe, versuche ich meist sehr viel von daheim aus zu erledigen und dann geht’s ins Büro. Abends oder auch oft am Wochenende kümmere ich mich dann um den Blog. Beiträge, Shootings oder Events lassen sich sehr gut mit Freizeit verbinden.

Welchen Stellenwert haben deine Devices für dich?

Ich muss gestehen, dass sie einen großen Stellenwert für mich haben. Vor allem auf meinem Laptop befindet sich absolut alles, was wichtig ist für meine beiden Berufe und es wäre wohl ein kleiner Weltuntergang, würde er kaputtgehen. Mit Datensicherung bin ich leider immer sehr schleißig. Tatsächlich würde mir bei einem Wohnungsbrand nichts einfallen, was ich retten würde, außer Laptop und Smartphone. Vielleicht würde ich mir noch etwas zum Drüberziehen mitnehmen.

Welchen Tipp hast du abschließend noch, für alle, die sich in Wien selbstständig machen wollen? Gibt es etwas, was du gerne früher gewusst hättest?

Das wichtigste Learning aus zwei Jahren Selbstständigkeit ist für mich der Umgang mit dem Thema Förderungen. Sich darüber zu informieren, was einem zusteht und Anträge zu stellen, ist gerade zu Beginn sehr zeitintensiv und mühsam, aber es lohnt sich. Dadurch haben wir viel Geld, das uns zugestanden hätte, nicht in Anspruch genommen. Generell ist für mich als Selbstständiger Wien definitiv der richtige Ort. Der österreichische Markt ist sehr überschaubar, was die Kommunikation enorm erleichtert. Außerdem kann man sich vieles im Ausland abschauen und in Österreich implementieren.